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FC Lokomotive Hörndlwald vs. Argos United 09 2:4 (0:2)

FC Lokomotive Hörndlwald vs. Argos United 09 2:4 (0:2)

Tore: Rössler (61.), Jonke (69.)

Assistgeber: Schüller, Elmani

Verwarnungen: Höllrigl (40., gelb), Berger (84. gelb/rot), Schüller (84. gelb), Pötsch (85., gelb)

Aufstellung: Berger – Pötsch, Possanner, Klasz – Mild, Schüller – Höllrigl, Moser (46. Beurle), Moza (46. Elmani) – Jonke (78. Wochenalt), Rössler

Vierzehn Hörndlwalder trafen sich des Abends in heimatlichen Gefilden, die letzten Runden vergessen zu machen, sich selbst zu beweisen, stärker als die Resultate zu sein. Was in der ersten Hälfte schlechterdings zur Prolongierung des Traurigen wurde, wandelte sich in der zweiten zum partiell erfolgreichen Charaktertest mit gramgebeugtem Ende.

Erfolgreich in die Saison gestartet, mutierten die letzten Wochen zum Gang nach Canossa wider Willen. Eine schmerzhafte Absage, eine erwartbare, wenn auch zu hohe (weil selbstverschuldete) Niederlage und schließlich ein Fiasko, das nicht an Selbstaufgabe grenzte; Lynchjustiz an sich selbst sozusagen. Die Ausgangslage gegen den Fünftplatzierten mutete demgemäß nicht rosig, doch nicht gänzlich ausweglos an. Tatsächlich zollten die ersten Minuten obiger These Respekt, konnte sich doch keine der beiden Mannschaften ernsthaft in Szene setzen. Die vereinten Argonauten bewiesen keinerlei Ball streichelndes Talent verzückender Art, wie auch in unseren Reihen keiner dem Spiel eine wesentliche Note zu geben imstande war. Nach und nach jedoch vermochte das offensive Trio der Gäste das Spielgeschehen an sich zu ziehen. Die beiden Stürmer brachten durch stete Positionswechsel ein gerüttelt Maß Unruhe in die Loksche Hintermannschaft, welche durch gepflegte – hoch, weit und einigermaßen präzise – Passes des offensichtlichen Zehners mit der Nummer 8 zusätzlich Nahrung fand. Die Konsequenz, ein schier unvermeidliches Merkmal lokomotivischen Wesens: Die Reflexion. Was unter Philosophen als durchaus notwendige (eventuell sogar löbliche) Eigenschaft firmiert, schreitet allerdings hie und da auf einem schmalen Grat, läuft Gefahr, dem Defätistischen zu verfallen. So schwebte denn erneut der Selbstzweifel über den Köpfen, wodurch mit Fortschreiten der Zeit das Hörndlwaldsche Spiel zusehends verkümmerte und der Motor einzig eines Ganges (Retour) nicht verlustig zu gehen schien. Die seltener werdenden Offensivaktionen konnten kaum je fertig gespielt werden, was umso schmerzhafter drückte, da eine Verletzung des argonautischen Keepers einen Ungeschulten zwang, die Torlinie zu bewachen. Welch Rückhalt ein geübter dieser Profession ist, musste einmal mehr Berger augenfällig werden lassen. Die Legende vom Linienkratzer und Sechzehn-Meter-Plus-Ausputzer fand auch an diesem Abend zur Lebendigkeit, konnte gleichwohl die verdiente Anpassung des Ergebnisses an die Realität nicht verhindern, als ein hoher Querpass die Verteidigung überwand und hernach einen souveränen Einschuss einleitete – 0:1 (23.).

Manchem Gesicht war zu entnehmen, dass der Selbstzweifel der fatalistischen Gewissheit gewichen war, dem Schicksal mehr Wirkmacht denn dem eigenen Können zugesprochen wurde. Folglich konnten die zwar spärlichen aber weiterhin vorhandenen Offensivbemühungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass reaktives Handel (eine spannende philosophische Widersprüchlichkeit, die ihrer Klärung harren wird müssen) zum ungewollten Trumpf unserer Equipe. Weder das kämpferische noch wehrende Element konnte dem lokomotivischen Spiel abgesprochen werden, alleine der notwendige Schritt hin zum kreativen Moment mochte nicht getan werden. Zu diesem Zeitpunkt schien eine eigentümliche Auslegung der Devise, das Ergebnis zu halten, die Mannschaft befallen zu haben (siehe Fazit). Weiterhin kamen denn auch (fast) nur die Gäste zu Chancen, wurde ein nicht übermächtiger Gegner zum Herakles unter Kraftarmen, ohne entscheidendem eigenen Zutun. Als das Bild wohl keiner weiterführenden Erklärung bedurfte, wurde ein Freistoß knapp außerhalb des Strafraum zur Allegorie auf den vermeintlichen Schicksalsglauben einer instabilen Elf. Ein direkt auf das Tor getragener Schuss fand zwar seinen Weg in die Hände der Hörndlwaldschen Herz-Lungen-Maschine Berger, konnte jedoch von diesen nicht letztgültig dingfest gemacht werden – 0:2 (41.).

Ein resignatives Harren des Pausenpfiffes kennzeichnete die letzten Minuten der Halbzeit, der auch Argos United kaum Ansehnliches beizufügen hatte. Hängende Köpfe und leere Auge wurden zum dichten Nebel, der das eigene Potenzial unkenntlich zu machen und den Abend zu verwünschen schien. Den nötigen Überblick einbringend rief Trainer i. V. Wochenalt seine Truppe denn auch zur Kabinenpredigt über Vergangenes und Machbares, über Blockaden und Überwinden, über den Kampf wider die Resignation und dem Mut zur Resilienz (siehe Fazit und MoM). Einprägsame Worte und zwei Wechsel später betraten die Lokomotivischen erneut das Feld, um sich ihrer Selbstzweifel zu entledigen. In der Tat, die Worte schienen sich in den Köpfen verfangen zu haben. Den rotierenden Stürmern wurde eine um Mild verstärkte Defensive entgegengesetzt, deren verbesserte Zuordnung die ehedem giftigen Laufwege wirkungslos verhallen ließ. Mit neu gewonnener Aggressivität und konsequentem Aufrücken der gesamten Mannschaft wurden die Räume enger gemacht, dem Gegenüber kaum Zeit gelassen, den Ball produktiv zu verarbeiten. Nachdem so die Leistung im Defensivbereich stabilisiert werden konnte, setzte sich der Gastgeber die Aufgabe, die Offensive in Gang zu setzen. Zwar wollten sich noch keine eindeutigen Torchancen einstellen, wohl aber der Gegner zum Nachdenken über das eigene Können angeregt werden. Dergestalt wechselte der Hader, bislang trauter Begleiter unserer Equipe, ohne langes Federlesen die Seiten. Die Hörndlwalder bezogen zunehmend in der gegnerischen Hälfte Lager und erarbeiteten und erspielten sich eine wachsende Zahl an Chancen. Und doch brauchte es zunächst noch der Fortuna sinnlichen Kuss, um der Wende im Spiel auch bürokratischen Nachdruck zu verleihen, als sich nach Pass von Schüller Rösslers Flanke – nur Ungläubige sprechen von einer abgerissenen – selbst verwandelte und das Netz bebend machte – 1:2 (61.).

Nun wiederholten sich die Szenen der ersten Halbzeit vollends … mit umgekehrten Vorzeichen. Kaum noch war es dem Gegner möglich, die eigene Hälfte zu verlassen; allzu hektisch und unüberlegt wiesen die Argonauten den Ballbesitz von sich. Als erneut ein Hörndlwaldscher Verteidiger – gerade noch in der eignen Hälfte stehend – des Balles habhaft wurde, entwickelte sich eine die Augen verzückende Kombinationsachse gen Argos Tor. Beurle, nunmehr der Ballführende, vermochte es, mit einer gelungenen Körpertäuschung gleich zwei Gegner zu narren, um hernach Elmani freizuspielen. Letzterer wiederum legte noch einige Meter zurück, bevor er einen Lochpass mit Lehrbuchcharakter auf die Reise schickte. Dem nicht genug ließ es sich auch der nunmehrige Ballverantwortliche Jonke nicht nehmen, seinen Begleiter im Strafraum mittels Hakentrick zum Sit-in zu bewegen, um sodann dem Runde zu einer kurzen Verschnaufpause im Netz zu verhelfen – 2:2 (69.).

Viel sprach an diesem Abend nicht mehr für Argos, zu sehr hatte die Lokomotive das Spiel in der Hand, zu konsequent vereitelten die Hörndlwalder – teils sanfter, teils unsanfter – jegliche Versuche der Gäste gefährlich zu werden. Corner um Corner, Freistoß um Freistoß – die Heimischen suchten die Entscheidung und fanden sie dennoch nicht; wenige Zentimeter sind einige zu viel, ein Lattenschuss kein Tor. Dass die Angst vor dem Phrasenschwein enden wollend war, verortete sich eines Teils in einer druckvollen Lokomotive, andererseits am Unvermögen des Gegenüber gestaltend einzuwirken … hätte, wäre, würde … Fortuna verirrte sich noch einmal in die Eibesbrunnergasse, alleine wir wurden nicht ihr Liebhaber. Bei einem der raren Vorstöße nahm sich der Stürmer den Ball zunächst mit der Hand mit, um im nächsten Moment Oktoberfest gleich mit Mild einzuhaken. Als beide Male der Pfiff ausblieb und das runde Leder irgendwie jenseits der Linie zum Stehen kam, waren zunächst zehn Spieler verwundert und ein wenig erbost, doch verbal verhalten, ob der Gültigkeit des Treffers – 2:3 (83.). Einzig ein Spieler wollte seinen Zorn nicht verhehlen und fand deutliche – sehr deutliche – Worte, die keinen Zuspruch beim Empfänger fanden. Eine gelbe Karte mit verbalem Nachschlag mündete in eine zweite gelbe: Ausschluss (84.).

Wieder einem Tor nachlaufen, nur noch wenige Minuten Zeit, ein Mann weniger, kein geübter Keeper – das Schicksal lässt wohl keine Gelegenheit aus, der Lokomotive das Fürchten zu lehren!? Von wegen: Nur wer Angst vor der Angst hat, hat Angst! Mit einem Spieler weniger am Feld erhöhten die Hörndlwalder noch einmal den Druck, schnürten den Gegner noch mehr ein. So mutierten die Lokschen Außenverteidiger zu Außenstürmern, der Sechszehner der Argonauten wurde der Reservat. Wurde der Ball seitens der Gäste einmal nicht wahllos gen Firmament gedroschen, sondern ein Konter gefahren, schaltete die gesamte Equipe in den Retourgang, wurden Pötsch, Mild und Wochenalt zu Henkern der Entlastungsangriffe. Der Außenstehende möge zu einem anderen Urteil kommen, doch eine Niederlage der Lokomotive schien in diesen Momenten beinahe „denkunmöglich“. Eine positive Umsetzung der rollenden Angriffe scheiterte allerdings an der mangelnden Präzision oder am stärker werdenden Keeper. So besiegelte denn ein letzter Konter der Argonauten den Abend, als der gegnerische Stürmer im Tumult der Beine die Schnelligkeit der seinen bewies – 2:4 (92.).

Der alsbaldige Schlusspfiff hinterließ ein weinendes (und ein klitzeklein lächelndes) Auge zurück, womit ein Abend zu Ende ging, der vieles offenbarte … nicht nur Schlechtes. Eine gerechtfertigte Niederlage ob der erste, ein verschenkter Sieg ob der zweiten Halbzeit – in Summe wäre wohl eine Punkteteilung ein maßvolles Ergebnis gewesen … wäre …

Fazit:

Nun, was ist zu sagen zu diesem Match, zu dieser Niederlage? Wie sooft brachten beide Teams die ersten Minuten damit zu, abzuwarten und den Rhythmus zu finden. Wie sooft entwickelte die Lok mit dem Ticken der Uhr Angst vor der eigenen Courage. Zweifellos war der erste Gegentreffer gelungen ausgespielt, Argos United die gefährlichere Mannschaft und die Führung verdient. Ebenso zweifelsfrei ist zu betonen, dass psychische Mechanismen auch vor dem Hörndlwald nicht Halt machen. Nur so ist es zu erklären (Achtung: psychologisches Fenster-lehnen), dass wir nach dem 0:1 auf Ergebnishalten spielten – nicht noch eine Ohrfeige. Kein schlecht, aber ein definitiv weitab vom Großartigen spielender Gegner stand uns gegenüber, dem wir dankenswerterweise Mut zusprachen – Schnitt, Szenenwechsel. Manch einer soll die Macht des Wortes anzweifeln, wer jedoch an diesem Abend anwesend war (Kabine Nr. 6), wird wohl zum Verfechter des Wortes geworden sein. Denn was die zweiten 45. Minuten zutage brachten, war einer der offensiv-aggressivsten Leistungen dieser Equipe. Statt im Reaktiven zu verharren, begannen wir zu agieren, zu spielen, Chancen zu erarbeiten, das Spielgeschehen zu dominieren – schlichtweg: Wir haben an unsere eigenen Stärken geglaubt, den Gegner nicht mehr stark geredet.

Natürlich sind wir keine Jahrhundertauswahl – wenn doch, erkläre ich uns alle für grenzdebil: Mitgliedsbeitrag statt Gehaltsscheck und so – aber wir müssen aufhören zu glauben, der Blinde unter den Einäugigen zu sein. Auch wir können gestalten und Druck erzeugen, wenn wir nicht ob unserer Unzulänglichkeiten, die dem Hobbyfußball inhärent sind, erstarren (quasi aus Furcht vor dem Tod sterben). In diesem Sinne möchte ich abschließend anfügen, dass ich mich noch selten über ein Gegentor so „gefreut“ habe wie über das vierte. Warum? Wir haben konsequent Druck erzeugt, Chancen ERSPIELT und in Unterzahl nicht aufgegeben – da darf man sich einen erfolgreichen Konter einfangen.

MoM:

Mein diesmaliger MoM hat sich die Ehre „nur“ teilweise am Platz (aber auch dort) erarbeitet. Wer die Verzweiflung in den Blicken unserer Equipe gesehen hat, kann Chopsis Ansprache zur Halbzeit kaum unterschätzen, sie hat uns der Lethargie entrissen und ein zweites Leben eingehaucht.

Nach seiner Einwechslung hielt er im Verbund mit Pötsch und Mild der Lokomotive den Rücken frei, als diese Sturmläufe absolvierte. Chapeau, Herr Wochenalt!

Außerdem möchte ich auch noch Isa erwähnen, der nicht nur den zweiten Treffer mustergültig einleitete, sondern auch bereitwillig das Tor hütete, als es Not tat.




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